Matsumura Sokon
松村宗棍
Machuusue

Aus allen Büchern und Schriften bekannt als Matsumùrá Sōkon 松村宗棍, so wurde er aber bis 1880 nie genannt. In der Sprache seines Volkes (Uchināguchi 沖縄口) wurde Matsumùrá Machūsue, vielleicht auch Machūtsune/Machūmùrá und Sōkon Sūkun gesprochen. Seine Familie war ein Zweig der Sūyū (jap.: Sōyō)宗陽, einer Adelsfamilie. Er bekam beizeiten den Titel Buchō 武長 von seinem Dienstherren, dem König von Ryūkyū (das in der Landesprache R(i)ūchū 琉球 hieß), was Krieger bedeutet und später, in der japanischen Zwangssprache, zu Bushi 武士 wurde. Er selbst nannte sich Àmīsa雲勇, was Wolke der Kühnheit bedeutet und aus seinen Titel und Rang Pēkumi (jap.: Peichin)親雲上 hinwies, später von seinen Biographen nur noch Únyū gelesen wurde.
Bedenke, daß ab 1879 eine restriktive Japanisierung stattfand, bei der versucht wurde die Landessprache und deren Insel-spezifischen Dialekte auszurotten, damit die Kultur Ryūkyū's verschwinden würde und die Einheimischen (Uchinānchū/Shimānchū 沖縄人・島人) sich dem japanischen Kaisereich komplett unterordneten, assimiliert würden..
Seine Lebenszeit ist unklar, die Angaben sind widersprüchlich und reichen von 1798–1890, zu 1800–1892, zu 1809–1896 bis 1809–1901. Er war der Kampfkunstexperte seiner Zeit schlechthin, nach , der bei Hofe sein Vorgänger war. Im Dorf Yamagawa 山川 in der Nähe von Suī 首里 geboren, galt er als jugendlicher Störenfried. Sein Vater Sōfuku Kaiyu 總福海洋 bat (den oben erwähnten) Sakugawa Kanga 佐久川 寛賀 deshalb, ihn unter seine Fittiche zu nehmen, was dieser für fünf Jahre tat. Die Ausbildung und/oder andere Einflüße ermöglichten Machūsue 1836 die Stelle eines Chikudun Pēkumi 筑登之親雲上 anzutreten, der niedrigste Pēkumi-Rang. 1838 ehelichte er Yonamine Chiru 与那嶺散, zu der wir noch später kommen.
Er diente den letzten drei Rūchū-Königen und war in deren Auftrag sowohl in mehreren Städten China's, als auch in Japan unterwegs. Diese Gelegenheiten nutzte er, entweder im Auftrag oder aus persönlichem Interesse um chinesische und japanische Kampfkünste zu studieren. Ich bin mir sicher, es war sein explizites Interesse und deswegen erhielt er vom König auch den Auftrag, die Kampfkünste und militärischen Fähigkeiten der ehemaligen Tributsherrscher und der damaligen Okkupanten genauestens zu studieren. Im Prinzip ging es darum, den japanischen Besatzern und potentiellen Usurpatoren des Königsthrones eine gewisse militärische Stärke entgegenzusetzen und zwar mit Wissen und Hilfe der ehemaligen, freundlicheren Tributsherren. Während die chinesischen Kaiser nur eine Tributszahlung und Loyalität erwarteten, dafür aber einen regen wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und militärischen Austausch boten, waren sie in den Augen der Besatzungsjapaner eher nur abtrünnige Untermenschen, aber nicht auf alle Zeit, wie ich gleich schildern werde.



